Neue besondere fachärztliche Versorgung startet in Bayern
Direkter Facharztzugang. Klare Terminziele. Leistungsbezogene Vergütung. Wissenschaftlich evaluiert.
PRESSEKONFERENZ
München, 18 September 2026
PresseClub München
ES SPRECHEN
Ralf Hermes
Vorstand der IKK – Die Innovationskasse (IK)
Dr. Klaus Stefan Holler
Vorstand des Bayerischen Facharztverbandes e. V. (BFAV)
Prof. Dr. Thomas Drabinski
Leiter des Instituts für Mikrodaten-Analyse (IfMDA)
Wissenschafts- und Evaluationspartner
Neue besondere Facharztversorgung startet in Bayern: Innovationskasse und Bayerischer Facharztverband schaffen neuen direkten Versorgungsweg für gesetzlich Versicherte
Die IKK – Die Innovationskasse (IK) und der Bayerische Facharztverband (BFAV) starten in Bayern ein neues Modell der besonderen fachärztlichen Versorgung nach § 140a SGB V. Ziel ist ein schnellerer, direkter Zugang zu teilnehmenden Fachärztinnen und Fachärzten – verbunden mit einer stärker leistungsbezogenen Vergütung der fachärztlichen Leistung.
In einer gesundheitspolitischen Debatte, die zunehmend von Zugangssteuerung und Knappheit geprägt ist, setzen die Vertragspartner damit bewusst einen Gegenakzent: Statt den Zugang administrativ zu begrenzen, schaffen sie einen freiwilligen Versorgungsweg, der für Versicherte attraktiv ist und Fachärztinnen und Fachärzten neue Anreize bietet.
Das Modell nutzt die gesetzlichen Möglichkeiten der besonderen Versorgung innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Es handelt sich ausdrücklich nicht um eine privatärztliche Versorgung außerhalb der GKV: Die Versorgung bleibt im Sachleistungssystem organisiert. Teilnehmende Versicherte erhalten keine privatärztliche Rechnung und müssen gegenüber der Praxis nicht in Vorleistung treten.
Gegenüber den Versicherten kommuniziert die Innovationskasse das Angebot unter der Bezeichnung "Facharzt privat". Die zugespitzte Verbraucherbotschaft "Gesetzlich versichert. Privat behandelt." beschreibt den Anspruch des Modells: schneller Zugang, mehr Zeit in der Behandlung und eine leistungsbezogene fachärztliche Versorgung. Versicherungsrechtlich bleibt die Behandlung vollständig Bestandteil der gesetzlichen Krankenversicherung.
Direkter Zugang mit klaren Terminambitionen
Teilnehmende Versicherte können sich unmittelbar an teilnehmende Facharztpraxen wenden. Im Rahmen ihrer verfügbaren Kapazitäten wirken die Praxen darauf hin,
- reguläre Ersttermine innerhalb von 10 Tagen,
- dringliche Termine innerhalb von 3 Tagen und
- Notfälle möglichst am selben Tag anzubieten.
Maßgeblich bleiben dabei die medizinische Dringlichkeit und die tatsächlich vorhandenen Versorgungskapazitäten. Damit setzt das Modell einen Gegenakzent zu einer Debatte, die derzeit zunehmend von Zugangssteuerung, Knappheit und neuen organisatorischen Hürden geprägt ist.
Besondere Versorgung statt zusätzlicher Regulierung
Die Vertragspartner wollen zeigen, dass Zugangsprobleme nicht ausschließlich durch zusätzliche Steuerungsvorgaben gelöst werden müssen. Stattdessen entsteht ein freiwilliger Versorgungsweg, der für Versicherte attraktiv sein soll und zugleich für Fachärztinnen und Fachärzte neue Anreize setzt.
| Ralf Hermes, Vorstand der IKK – Die Innovationskasse: "Die gesetzliche Krankenversicherung steht unter erheblichem Finanzierungsdruck. Umso wichtiger ist es, nicht nur über Einsparungen zu sprechen, sondern darüber, wie Versorgung intelligenter organisiert werden kann. Wir nutzen mit diesem Vertrag einen bestehenden gesetzlichen Gestaltungsspielraum und schaffen für unsere Versicherten einen neuen, freiwilligen Weg in die fachärztliche Versorgung." |
Fachärztliche Leistung wieder stärker abbilden
Ein wesentliches Element des Vertrags ist die Vergütung. Die erbrachten fachärztlichen Leistungen werden auf Grundlage einer vertraglich festgelegten GOÄ-Systematik vergütet.
Damit sollen insbesondere
- intensivere Beratung,
- strukturierte Diagnostik,
- sorgfältige Befundauswertung,
- Therapieplanung,
- Koordination bei komplexeren Verläufen und
- medizinisch notwendige Verlaufskontrollen besser abgebildet werden.
Die GOÄ dient dabei ausschließlich als Vergütungssystematik innerhalb der besonderen Versorgung. Die Behandlung selbst bleibt Bestandteil der gesetzlichen Krankenversicherung.
| Dr. Klaus Stefan Holler, Vorstand des Bayerischen Facharztverbandes: "Wir wollen Fachärztinnen und Fachärzten ermöglichen, Medizin wieder stärker an der tatsächlich erbrachten Leistung auszurichten. Gute Diagnostik, gute Beratung und eine sorgfältige Therapieplanung brauchen Zeit. Ein Versorgungssystem muss diese Leistung auch wirtschaftlich abbilden können." |
Zugleich gehe es darum, die vorhandenen fachärztlichen Kapazitäten besser für Patientinnen und Patienten nutzbar zu machen.
| Dr. Klaus Stefan Holler: "Wenn Fachärzte bereit sind, für teilnehmende Versicherte zusätzliche Kapazitäten und verlässlichere Zugangswege anzubieten, müssen dafür auch geeignete Rahmenbedingungen vorhanden sein. Genau hier setzt unser Vertrag an." |
Zentraler Abrechnungsweg statt Privatrechnung
Auch die Abrechnung wird neu organisiert. Die teilnehmenden Facharztpraxen rechnen die im Rahmen des Vertrags erbrachten Leistungen nicht mit den Versicherten ab, sondern über eine zentrale Verrechnungsstelle. Diese Aufgabe übernimmt die äg Nord eG als ärztliche Abrechnungs- und Verrechnungsstelle zwischen den teilnehmenden Facharztpraxen und der Innovationskasse.
Für die Patientinnen und Patienten bleibt der Versorgungsweg damit einfach: Behandlung beim Facharzt – keine Vorkasse – keine Privatrechnung. Die zentrale Abrechnung ermöglicht zugleich eine einheitliche Prüfung und Abwicklung der vertraglich vereinbarten, GOÄ-basierten Vergütung.
Antwort auf die aktuelle gesundheitspolitische Debatte
Der Start des Modells fällt in eine Phase tiefgreifender gesundheitspolitischer Diskussionen. Steigende GKV-Ausgaben, steigende Beitragssätze und gesetzliche Sparmaßnahmen erhöhen den wirtschaftlichen Druck auf Krankenkassen und Leistungserbringer. Gleichzeitig wird bundespolitisch über neue Modelle zur Steuerung des Zugangs zu Fachärzten diskutiert.
Innovationskasse und BFAV setzen dagegen auf einen freiwilligen Ansatz: Die Versorgung soll für Versicherte attraktiver organisiert werden, statt den Zugang allein administrativ zu begrenzen.
| Ralf Hermes: "Unser Ansatz lautet nicht: Wie verhindern wir, dass Versicherte Fachärzte aufsuchen? Unsere Frage lautet: Wie organisieren wir fachärztliche Versorgung so, dass sie medizinisch sinnvoll, schnell erreichbar und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig ist?" |
| Dr. Klaus Stefan Holler ergänzt: "Patientensteuerung darf nicht dazu führen, dass Facharztversorgung vor allem schwieriger erreichbar wird. Wir wollen zeigen, dass auch ein anderer Weg möglich ist: klare Versorgungsstrukturen, direkte Zugänge und Verantwortung auf beiden Seiten." |
Wissenschaftliche Evaluation von Beginn an
Das Versorgungsmodell wird von Beginn an wissenschaftlich begleitet. Das Institut für Mikrodaten-Analyse (IfMDA) übernimmt dabei ausschließlich die Funktion des Wissenschafts- und Evaluationspartners. Untersucht werden unter anderem
- Wartezeiten,
- Patientenzufriedenheit,
- Inanspruchnahmeverhalten,
- Versorgungsverläufe,
- Kostenentwicklung,
- Struktur- und Mengeneffekte sowie
- die Wirtschaftlichkeit des neuen Versorgungswegs.
| Prof. Dr. Thomas Drabinski, Leiter des IfMDA: "Die entscheidende Frage lautet nicht, ob ein neues Modell theoretisch gut klingt. Entscheidend ist, was in der Versorgung tatsächlich passiert. Deshalb untersuchen wir systematisch, ob sich beispielsweise Wartezeiten, Inanspruchnahme, Zufriedenheit und Wirtschaftlichkeit verändern." |
Die Evaluation soll eine belastbare Grundlage dafür liefern, das Modell weiterzuentwickeln und seine mögliche Übertragbarkeit auf andere Regionen zu beurteilen.
| Prof. Dr. Thomas Drabinski: "Unsere Aufgabe ist es, die Wirkungen des Modells anhand von Daten zu messen und wissenschaftlich einzuordnen. Ob das Modell seine Ziele erreicht, soll nicht behauptet, sondern überprüft werden." |
Weitere Informationen zur wissenschaftlichen Evaluation: https://ifmda.de/140a-evaluation
Pressekontakt
Mariya Nesevrya
Pressesprecherin der IK
E-Mail: Presse@die-ik.de
Web: www.die-ik.de