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Selbstverletzung: Ritzen gegen den Schmerz

Verzweifelter junger Mann - Fotohinweis: © theprint istockphoto.com

Eines steht fest: Selbstverletzung ist auf keinen Fall nur eine Modeerscheinung oder ein Mittel, um Aufmerksamkeit zu erregen. Wer sich selbst verletzt, verspürt großes seelisches Leid und kämpft mit starken negativen Gefühlen, die man nicht regulieren kann. Er oder sie weiß nicht, wie sich innere Anspannung anders abbauen lässt. Das Ritzen verschafft dann erst mal Erleichterung. Es mindert den seelischen Schmerz, auch wenn es keine Lösung ist. Erst mal hilft es.

Das passiert im Kopf

Warum nimmt Selbstverletzen Druck? Wie kann das sein, dass Schmerz positiv empfunden wird? Und warum hören wir nicht einfach auf damit? Im Kopf läuft Folgendes ab: Wir erleben, dass der Druck mit dem Ritzen abnimmt. Während der Selbstverletzung schüttet der Körper Endorphine aus, auch "Glückshormone" genannt. Diese Stoffe senken das Schmerzempfinden und erzeugen ein Glücksgefühl. Wir lernen, Ritzen hilft. Beim nächsten Mal ritzen wir wieder. So entsteht ein Teufelskreis und Ritzen wird zur Sucht.

Es gibt Auswege

Viele Betroffene schämen sich und verstecken ihre Narben an den Armen oder Beinen, indem sie Kleidung tragen, die alles verdeckt. Sie trauen sich oft nicht, über das Ritzen und ihre Sorgen zu sprechen. Aber genau das ist der Ausweg. Mit Eltern sprechen oder im Freundeskreis erleichtert und am besten führt der Weg zum Arzt. Sie wissen, was die nächsten Schritte sein können.

Keine Angst vor der Therapie

Meistens empfehlen die Mediziner eine Therapie. Und eines ist ganz wichtig zu wissen: Eine Therapie ist nichts Schlimmes. Und sie ist das vielversprechendste Mittel, um Schluss zu machen mit der Selbstverletzung. Es gibt gesündere Wege, mit Sorgen umzugehen.

Was genau passiert in einer Therapie?

Die Gespräche finden in ganz normalen Praxisräumen statt, ganz unaufgeregt. Bloß keine Bilder von einer "Irrenanstalt" im Kopf haben. Das ist Quatsch und schon lange überholt. Betroffenen lernen hier in Übungen und Gesprächen, ihre Gefühle zu kontrollieren und sich bewusst zu machen, dass sie eine Wahl haben: sich zu ritzen oder das Gefühl zuzulassen und auszuhalten. Wer übt, sich gegen das Ritzen zu entscheiden, baut mit der Zeit eine Kontrolle über die eigenen Impulse auf. Man schafft es dann leichter, nicht sofort darauf zu reagieren. Den starken Emotionen ist man dann nicht mehr ausgeliefert.

Natürlich wäre es klasse, wenn schlechte Gefühle ganz verschwinden würden. Das wünschen sich auch viele, wenn sie die Therapie starten. Aber das ist nicht realistisch, denn jeder Mensch erlebt immer wieder negative Gefühle. Ein Leben lang. Vielmehr geht es darum, Strategien an die Hand zu bekommen, um mit diesen Emotionen fertig zu werden. Aber das braucht Training, auch über Therapiesitzungen hinaus.

Übung macht den Meister

Das Training, die Therapie, besteht aus unterschiedlichen Übungen. Eine Übung ist zum Beispiel, sich Zeit zu verschaffen. Kommt starke Anspannung auf und der Impuls zur Selbstverletzung wächst, hilft Ablenkung. Einige lassen zum Beispiel ein Gummiband schnellen, das sie um das Handgelenk gebunden haben. Andere lutschen ein scharfes Bonbon oder laufen auf einem spitzen Stein im Schuh. Alles besser, als zu ritzen. Man gewinnt damit Zeit und der Impuls zur Selbstverletzung schwächt sich langsam ab bis er vorbeigeht. Und das geschieht immer: Er geht vorüber.

Betroffene bekommen auch einen Notfallplan an die Hand. Was können sie tun, wenn Gefühle und Gedanken den Impuls zur Selbstverletzung auslösen. Im Plan steht, wen sie ansprechen können, was sie anderes tun können, um das Ritzen zu vermeiden. Er gibt Sicherheit.

Das Gute ist:
Eine Therapie ist häufig sehr erfolgreich, wenn man mitmacht und trainiert. Der Einsatz lohnt sich, denn dann gehört irgendwann die Selbstverletzung für immer der Vergangenheit an.

Erste Hilfe

Anlaufstellen für die erste Beratung findest du unter:

Nummer gegen Kummer

www.nummergegenkummer.de/
Kinder- und Jugendtelefon: 116111
Elterntelefon: 0800 111 0550

Telefonseelsorge

www.telefonseelsorge.de/
0800 1110111
0800 1110222

bke-Jugendberatung

Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e. V.
https://jugend.bke-beratung.de/views/home/index.html

Fotohinweis: © theprint istockphoto.com

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